Warum verliere ich mich immer wieder in Beziehungen?

Wenn aus Nähe langsam Selbstaufgabe wird

Am Anfang fühlt sich eine Beziehung oft leicht an.

Man verbringt gerne Zeit miteinander, interessiert sich für den anderen und möchte, dass es ihm gut geht.

Nähe bedeutet schließlich auch, aufeinander einzugehen, Kompromisse zu machen und manchmal die eigenen Wünsche zurückzustellen.

Doch manchmal verändert sich dieses Gleichgewicht.

Vielleicht richtest du immer mehr Entscheidungen danach aus, was der andere möchte.

Du überlegst zuerst, wie es deinem Partner oder deiner Partnerin, deiner Familie oder deinen Freunden geht, bevor du dich fragst, was du selbst brauchst.

Du passt dich an.

Du nimmst Rücksicht.

Du möchtest keinen Streit.

Und irgendwann bemerkst du vielleicht, dass deine eigenen Wünsche dabei immer kleiner geworden sind.

Vielleicht weißt du sehr genau, was die anderen brauchen – aber immer weniger, was du selbst möchtest.

Wann wird Rücksicht zur Selbstaufgabe?

Natürlich bedeutet eine Beziehung nicht, immer nur die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.

Wir nehmen Rücksicht.
Wir machen Kompromisse.
Wir unterstützen einander.
Und manchmal stellen wir etwas zurück, weil uns ein anderer Mensch wichtig ist.

Die interessante Frage ist deshalb nicht:

„Warum nehme ich überhaupt Rücksicht?“

Sondern:

„Wann verliere ich mich selbst dabei aus dem Blick?“

Vielleicht merkst du, dass du sehr häufig nachgibst.

Vielleicht sagst du Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst.

Vielleicht vermeidest du bestimmte Themen, weil du keinen Konflikt möchtest.

Vielleicht übernimmst du Verantwortung dafür, dass es dem anderen gut geht.

Oder du fragst dich bei Entscheidungen zuerst:

„Was möchte der andere?“

und erst viel später:

„Was möchte eigentlich ich?“

Wenn sich solche Situationen immer wiederholen, kann es interessant sein, genauer auf diese wiederkehrenden Muster zu schauen.

Was macht es so schwer, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen?

Vielleicht kennst du Gedanken wie:

„Ich möchte niemanden enttäuschen.“

„Das ist doch nicht so wichtig.“

„Ich kann mich auch anpassen.“

„Ich möchte keinen Streit.“

„Vielleicht verlange ich zu viel.“

Oder:

„Dann mache ich es eben so, wie der andere möchte.“

Was davon auf dich zutrifft, lässt sich nicht allgemein beantworten.

Aber vielleicht lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

Was glaubst du, könnte passieren, wenn du deine eigenen Wünsche deutlicher aussprichst?

Würde jemand enttäuscht sein?

Könnte ein Konflikt entstehen?

Hast du Sorge, egoistisch zu wirken?

Oder fällt es dir vielleicht schon schwer, überhaupt wahrzunehmen, was du selbst möchtest?

Gerade wenn du häufig Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein meinst, könnte auch mein Artikel „Warum fällt es mir so schwer, Nein zu sagen?“ interessant für dich sein.

Nähe bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein

Vielleicht entsteht manchmal der Eindruck, eine gute Beziehung müsse möglichst harmonisch sein.

Doch zwei Menschen können einander nah sein und trotzdem unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Du möchtest heute etwas unternehmen – der andere nicht.

Du brauchst Zeit für dich – der andere wünscht sich Nähe.

Du hast eine andere Meinung.

Du möchtest etwas anders entscheiden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt.

Unterschiedliche Bedürfnisse dürfen nebeneinander bestehen.

Schwierig kann es werden, wenn fast immer dieselbe Person zurücksteckt.

Wenn du deine eigenen Wünsche kaum noch aussprichst, weil du die Reaktion des anderen vermeiden möchtest.

Oder wenn du das Gefühl bekommst, für die Zufriedenheit eines anderen Menschen verantwortlich zu sein.

Vielleicht fällt es dir dann auch schwer, Grenzen zu setzen.

Nicht unbedingt, weil du nicht weißt, wo deine Grenze liegt.

Sondern weil du nicht weißt, ob du sie dir erlauben darfst.

Wenn ein Nein plötzlich Schuldgefühle auslöst

Vielleicht hast du dir vorgenommen, beim nächsten Mal klarer zu sein.

Dann kommt die Situation – und plötzlich sagst du doch wieder Ja.

Oder du sagst Nein und denkst anschließend lange darüber nach:

„War das egoistisch?“

„Hätte ich doch helfen sollen?“

„Ist der andere jetzt enttäuscht?“

Dann können Schuldgefühle eine Rolle spielen.

Vielleicht kennst du auch die Angst, andere zu enttäuschen.

Beides kann dazu führen, dass du deine eigenen Wünsche immer wieder zurückstellst – obwohl du längst merkst, dass dir das nicht guttut.

Wenn sich immer mehr um den anderen dreht

Vielleicht bemerkst du irgendwann, dass sich viele deiner Gedanken um den anderen Menschen drehen.

Wie geht es ihm oder ihr?

Was braucht der andere?

Ist alles in Ordnung?

Habe ich etwas falsch gemacht?

Was kann ich tun, damit die Situation wieder besser wird?

Und dabei gerät eine entscheidende Frage immer weiter in den Hintergrund:

„Wie geht es eigentlich mir?“

Vielleicht hast du eigene Interessen zurückgestellt.

Vielleicht triffst du bestimmte Menschen seltener.

Vielleicht machst du Dinge nicht mehr, die dir früher wichtig waren.

Oder du weißt irgendwann gar nicht mehr genau, was du unabhängig von der Beziehung eigentlich möchtest.

Dann kann es hilfreich sein, den Blick wieder stärker auf dich selbst zu richten.

Was interessiert dich?

Was ist dir wichtig?

Was möchtest du?

Was möchtest du nicht?

Und welche Teile deines Lebens sollen auch innerhalb einer Beziehung weiterhin dir gehören?

Du darfst in einer Beziehung du selbst bleiben

Nähe und Eigenständigkeit müssen keine Gegensätze sein.

Du darfst einen anderen Menschen lieben und trotzdem eine eigene Meinung haben.

Du darfst für jemanden da sein und trotzdem Grenzen setzen.

Du darfst Kompromisse machen und trotzdem Dinge haben, bei denen du nicht nachgeben möchtest.

Und du darfst Bedürfnisse haben, die nicht mit denen des anderen übereinstimmen.

Eine Beziehung muss nicht bedeuten, dass aus zwei Menschen einer wird.

Vielleicht geht es vielmehr darum, miteinander verbunden zu sein, ohne sich selbst dabei aus dem Blick zu verlieren.

Warum passiert mir das immer wieder?

Vielleicht hast du dieses Muster nicht nur in einer Beziehung erlebt.

Vielleicht stellst du auch in Freundschaften oder innerhalb der Familie häufig deine eigenen Bedürfnisse zurück.

Dann lohnt sich möglicherweise die Frage:

Was wiederholt sich?

Wann beginne ich, mich anzupassen?

Was fällt mir schwer auszusprechen?

Welche Reaktion möchte ich vermeiden?

Und wann merke ich eigentlich, dass ich mich selbst gerade zurückstelle?

Dabei geht es nicht darum, dir die Verantwortung für das Verhalten anderer Menschen zu geben.

Wie ein anderer Mensch mit dir umgeht, liegt in seiner Verantwortung.

Aber du kannst genauer anschauen, wie du selbst in solchen Situationen reagierst und was du heute vielleicht anders machen möchtest.

Wenn du ähnliche Erfahrungen immer wieder in unterschiedlichen Beziehungen machst, könnte deshalb auch mein Artikel „Warum gerate ich immer wieder an Menschen, die mir nicht guttun?“ interessant für dich sein.

Wieder mehr wahrnehmen, was du selbst möchtest

Im Coaching können wir gemeinsam genauer auf solche wiederkehrenden Situationen schauen.

Wann stellst du dich selbst zurück?

Was macht es dir schwer, deine Wünsche auszusprechen?

Welche Erwartungen stellst du an dich in Beziehungen?

Was glaubst du, könnte passieren, wenn du eine Grenze setzt?

Und was brauchst du, um dich selbst in einer Beziehung nicht immer wieder aus dem Blick zu verlieren?

Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen.

Dabei geht es nicht darum, in der Hypnose die eine Ursache dafür zu finden, warum du dich in Beziehungen zurückstellst.

Vielmehr können wir darauf schauen, was du mit Nähe, Harmonie, Erwartungen und eigenen Bedürfnissen verbindest, welche Erfahrungen oder Überzeugungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen und was du für dich daraus erkennen kannst.

Denn vielleicht bedeutet eine gute Beziehung nicht, möglichst viel von dir selbst zurückzustellen.

Vielleicht bedeutet sie auch, einem anderen Menschen nah sein zu können, ohne dich selbst dabei zu verlieren.

Wann hast du dich zuletzt gefragt, wie es dir eigentlich geht?

Vielleicht hast du dich in diesem Artikel wiedergefunden.

Wenn du lernen möchtest, dich in Beziehungen nicht länger selbst zu verlieren und wieder mehr auf deine eigenen Bedürfnisse zu hören, begleite ich dich gerne dabei.

In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welche Unterstützung für dich passend sein könnte.

→ Unverbindliches Erstgespräch vereinbaren