Warum kann ich meine Leistung nicht zeigen, wenn es darauf ankommt?

Du weißt eigentlich, dass du etwas kannst. Du hast dich vorbereitet, besitzt die nötige Erfahrung und hast in anderen Situationen längst gezeigt, wozu du in der Lage bist. Solange kein besonderer Druck dahintersteht, funktioniert es. Du denkst nicht groß darüber nach, sondern machst einfach.

Doch dann kommt dieser eine Moment, in dem es wirklich zählt.

Ein wichtiges Bewerbungsgespräch. Ein entscheidender Kundentermin. Ein Wettkampf. Ein Vorsprechen. Ein Assessment-Center. Eine Präsentation vor der Geschäftsleitung. Oder eine andere Situation, von deren Ausgang für dich viel abhängt.

Und plötzlich bist du nicht mehr dieselbe Person, die vorher noch genau wusste, was sie tut.

Du wirst vorsichtiger. Denkst über Dinge nach, die normalerweise selbstverständlich funktionieren. Kontrollierst dich. Vielleicht sprichst du anders, reagierst zurückhaltender oder traust dich weniger. Du möchtest unbedingt deine beste Leistung zeigen – und hast gleichzeitig das Gefühl, gerade deshalb nicht an sie heranzukommen. Hinterher kommt dann häufig der frustrierende Gedanke:

Das kann ich eigentlich viel besser. Und wahrscheinlich stimmt das sogar.

Denn manchmal liegt das Problem gar nicht darin, dass uns Fähigkeiten fehlen. Es liegt darin, dass wir unter Druck nicht mehr so selbstverständlich auf sie zugreifen können. Das lässt sich besonders gut bei Dingen beobachten, die wir eigentlich automatisiert haben. Stell dir beispielsweise eine Bewegung vor, die du schon tausendmal gemacht hast. Solange du nicht darüber nachdenkst, funktioniert sie. Sobald du aber beginnst, jeden einzelnen Schritt bewusst kontrollieren zu wollen, kann sie sich plötzlich ungewohnt und kompliziert anfühlen.

Ähnlich kann es uns in Leistungssituationen gehen.

Im normalen Gespräch formulierst du deine Gedanken spontan. In einem wichtigen Bewerbungsgespräch überlegst du plötzlich während des Sprechens: War das gerade die richtige Antwort? Sollte ich selbstbewusster wirken? Habe ich zu viel erzählt? Was denkt mein Gegenüber gerade über mich?

Du führst dann nicht mehr einfach ein Gespräch.
Du beobachtest gleichzeitig, wie du dieses Gespräch führst.
Und genau diese Selbstbeobachtung kann einen großen Teil deiner Aufmerksamkeit beanspruchen.

Vielleicht passiert dir das auch bei wichtigen Kundenterminen. Normalerweise kennst du deine Arbeit und kannst erklären, was du anbietest. Doch wenn dieser eine Auftrag besonders wichtig ist, möchtest du unbedingt überzeugen. Plötzlich suchst du nach der perfekten Formulierung, interpretierst jede Reaktion deines Gegenübers und fragst dich während des Gesprächs, ob du gerade souverän genug wirkst.

Ausgerechnet der Wunsch, besonders gut zu sein, kann dann dazu führen, dass du weniger natürlich agierst.

Das bedeutet nicht, dass Ehrgeiz oder Vorbereitung schlecht sind. Natürlich ist es sinnvoll, sich auf wichtige Situationen vorzubereiten. Und selbstverständlich möchten wir gute Leistungen zeigen, wenn uns etwas wichtig ist. Schwierig wird es, wenn aus „Ich möchte das gut machen“ innerlich ein „Ich muss das unbedingt gut machen“ wird.

Denn mit diesem kleinen Unterschied verändert sich die Bedeutung der Situation. Plötzlich steht scheinbar sehr viel auf dem Spiel.

Ich muss diesen Auftrag bekommen.
Ich muss diese Stelle bekommen.
Ich darf jetzt keinen Fehler machen.
Heute muss ich zeigen, was ich kann.

Und vielleicht steckt darunter sogar noch ein anderer Gedanke:
„Heute muss ich zeigen, dass ich gut genug bin.“

Dann geht es nicht mehr nur um eine Leistung.

Es geht um dich.

Eine Absage bedeutet dann vielleicht nicht einfach, dass jemand anderes besser zur Stelle gepasst hat. Ein verlorener Wettkampf bedeutet nicht nur, dass es heute nicht gereicht hat. Ein schwieriger Kundentermin ist nicht einfach ein Gespräch, das anders gelaufen ist als erhofft.

Vielleicht fühlt sich das Ergebnis vielmehr wie eine Bewertung deiner Fähigkeiten oder sogar deiner Person an.

Genau hier gibt es eine Verbindung zu meinem Artikel „Warum habe ich solche Angst zu versagen?“. Denn je stärker wir unser eigenes Können oder unseren Wert an einem bestimmten Ergebnis festmachen, desto größer kann der Druck werden, genau dieses Ergebnis erreichen zu müssen.

Und manchmal entsteht daraus ein merkwürdiger Widerspruch: Je wichtiger uns etwas ist, desto schwieriger wird es, genau die Fähigkeiten zu zeigen, die wir eigentlich besitzen. Vielleicht kennst du das aus dem Sport. Im Training gelingt etwas immer wieder. Dann kommt der Wettkampf – und plötzlich wird jede Bewegung bewusst kontrolliert. Du möchtest bloß keinen Fehler machen und spielst vorsichtiger als sonst.

Oder du hast dich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet und möchtest selbstbewusst auftreten. Während des Gesprächs bist du aber so sehr damit beschäftigt, die richtigen Antworten zu geben, dass etwas verloren geht, was dich normalerweise ausmacht: deine Spontaneität, deine Persönlichkeit oder deine natürliche Art zu kommunizieren.

Manchmal geht es also gar nicht darum, mehr zu können.

Es geht darum, dem eigenen Können im entscheidenden Moment wieder mehr Raum zu lassen.

Das unterscheidet diese Art der Leistungsblockade auch von einem klassischen Blackout. Bei einem Blackout kann sich der Kopf für einen Moment vollkommen leer anfühlen. Darüber schreibe ich in „Warum habe ich plötzlich einen Blackout, obwohl ich alles wusste?“.

Bei einer Leistungsblockade kann dagegen alles grundsätzlich funktionieren. Du beantwortest die Fragen. Du hältst deine Präsentation. Du spielst dein Match. Du führst das Gespräch. Aber du bleibst unter deinen Möglichkeiten.

Vielleicht wirst du defensiver. Vielleicht entscheidest du dich gegen Dinge, die du normalerweise intuitiv tun würdest. Vielleicht kontrollierst du dich so stark, dass deine natürliche Sicherheit verloren geht. Und hinterher weißt du genau: Das war nicht das, was ich eigentlich kann.

Besonders belastend kann es werden, wenn du diese Erfahrung mehrfach gemacht hast. Denn dann gehst du beim nächsten Mal nicht mehr unvoreingenommen in die Situation.

Du erinnerst dich daran.
Beim letzten Mal war ich auch so blockiert.
Hoffentlich passiert mir das heute nicht wieder.

Und plötzlich gibt es neben der eigentlichen Herausforderung noch eine zweite Aufgabe: Du möchtest verhindern, dass die Blockade wiederkommt.

Dadurch beobachtest du dich möglicherweise noch genauer. Jede kleine Unsicherheit wird registriert. Ein kurzer Versprecher, ein Fehler oder ein Moment des Zögerns kann sofort den Gedanken auslösen: Jetzt passiert es wieder. So kann sich eine innere Erwartung entwickeln, die den Druck von Situation zu Situation verstärkt. Manche Menschen reagieren darauf, indem sie sich immer intensiver vorbereiten. Sie üben noch mehr, planen noch genauer und versuchen, möglichst jede Eventualität vorherzusehen. Das kann sinnvoll sein – bis zu einem bestimmten Punkt.

Wenn du aber längst gut vorbereitet bist und deine Leistung trotzdem gerade in entscheidenden Momenten nicht abrufen kannst, liegt die Lösung möglicherweise nicht darin, noch mehr zu trainieren oder noch besser vorbereitet zu sein.

Dann lohnt sich eine andere Frage: Was macht diesen Moment für mich eigentlich so bedeutsam?

Geht es wirklich nur um das Ergebnis? Oder geht es darum, was dieses Ergebnis über dich aussagen könnte?

Vielleicht möchtest du unbedingt beweisen, dass du kompetent bist. Vielleicht hast du Angst, andere zu enttäuschen. Vielleicht glaubst du, eine bestimmte Chance dürfe auf keinen Fall schiefgehen. Oder du stellst so hohe Erwartungen an dich selbst, dass eine gute Leistung gar nicht mehr ausreicht.

Dann können auch Themen wie Perfektionismus, Selbstwert oder die Angst, den Erwartungen anderer nicht zu genügen, hinter einer Leistungsblockade stehen.

Manchmal gibt es auch frühere Erfahrungen, die eine Rolle spielen. Vielleicht gab es eine Situation, in der du unter Druck tatsächlich versagt hast. Vielleicht wurdest du stark kritisiert oder hast erlebt, wie unangenehm es sich anfühlt, vor anderen nicht die erwartete Leistung zu bringen.

Unser Verstand kann längst wissen, dass die heutige Situation eine andere ist – während unser inneres Erleben trotzdem wieder mit Anspannung reagiert.

Im Coaching können wir gemeinsam anschauen, was genau im entscheidenden Moment passiert. Welche Gedanken tauchen auf? Welche Erwartungen stellst du an dich? Was glaubst du, würde passieren, wenn du nicht deine beste Leistung zeigst? Und welche Bedeutung gibst du dem Ergebnis?

Auch mit auflösender Hypnose können wir den emotionalen Erfahrungen und inneren Verknüpfungen hinter solchen Reaktionen nachgehen. Denn manchmal fehlt uns nicht die nächste Strategie für bessere Leistung. Vielleicht steht etwas zwischen uns und den Fähigkeiten, die längst vorhanden sind.

Das Ziel muss deshalb nicht sein, in wichtigen Situationen überhaupt keinen Druck mehr zu spüren. Ein Bewerbungsgespräch darf wichtig sein. Ein Wettkampf darf dich aufregen. Ein großer Kundentermin darf sich anders anfühlen als ein alltägliches Gespräch. Aber vielleicht muss aus „Das ist mir wichtig“ nicht automatisch „Das darf auf keinen Fall schiefgehen“ werden.

Denn möglicherweise kannst du deine beste Leistung gerade dann zeigen, wenn du nicht mehr versuchst, sie mit aller Kraft hervorzuholen.

Was könntest du zeigen, wenn du in diesem Moment nichts über dich beweisen müsstest?

Wenn du weißt, dass du etwas kannst, aber gerade in wichtigen Situationen immer wieder unter deinen Möglichkeiten bleibst, können wir gemeinsam anschauen, was dich in diesen Momenten blockiert.

In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welcher Weg für dich passend sein könnte.

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