Wie kann ich innere Leistungsblockaden lösen?

Du weißt eigentlich, dass du etwas kannst. Du hast dich vorbereitet, besitzt das nötige Wissen und hast deine Fähigkeiten in anderen Situationen längst gezeigt. Trotzdem gibt es bestimmte Momente, in denen etwas in dir zuzumachen scheint. Eine Prüfung steht bevor und plötzlich ist die Angst da. Du möchtest vor anderen sprechen und spürst schon vorher eine starke Anspannung. In einem wichtigen Gespräch bist du viel unsicherer als sonst. Oder du willst ausgerechnet in dem Moment deine beste Leistung zeigen, in dem es darauf ankommt – und genau dann gelingt dir das nicht so, wie du es von dir kennst.

Das Frustrierende daran ist häufig dieser Widerspruch: Du weißt, dass du es kannst, aber dieses Wissen verändert nicht automatisch das, was du in diesem Moment fühlst. Vielleicht versuchst du deshalb zunächst das Naheliegende. Du bereitest dich noch besser vor, lernst länger, übst deine Präsentation ein weiteres Mal, schreibst dir mögliche Fragen auf oder gehst das wichtige Gespräch gedanklich immer wieder durch. Das kann durchaus sinnvoll sein, denn eine gute Vorbereitung gibt Sicherheit. Irgendwann kommt jedoch möglicherweise der Punkt, an dem du merkst: Eigentlich bin ich längst vorbereitet. Warum bin ich trotzdem so angespannt?

Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn vielleicht fehlt dir gar nicht mehr Wissen, Übung oder Kompetenz. Vielleicht liegt die eigentliche Blockade an einer ganz anderen Stelle.

Eine Leistungssituation kann innerlich eine viel größere Bedeutung bekommen, als sie auf den ersten Blick zu haben scheint.

Eine Präsentation ist dann nicht mehr einfach eine Präsentation, eine Prüfung nicht mehr nur eine Prüfung und ein Vorstellungsgespräch nicht mehr einfach ein Gespräch. Plötzlich geht es um Fragen wie: Bin ich gut genug? Was denken die anderen über mich? Was, wenn ich versage? Was, wenn alle merken, dass ich unsicher bin? Was, wenn ich die Erwartungen nicht erfüllen kann?

Vielleicht steckt darunter sogar der Gedanke: Was sagt es über mich aus, wenn ich es nicht schaffe?

Dann wird aus einer Leistungssituation unbemerkt eine Bewertung der eigenen Person.

Und genau hier kann enormer Druck entstehen. Denn wenn du glaubst, in diesem einen Moment deine Kompetenz, deinen Wert oder deine Fähigkeiten beweisen zu müssen, steht plötzlich sehr viel mehr auf dem Spiel als das eigentliche Ergebnis.

Genau darum geht es auch in meinem Artikel „Warum kann ich meine Leistung nicht zeigen, wenn es darauf ankommt?“. Gerade der Wunsch, besonders gut funktionieren zu müssen, kann dazu führen, dass wir uns immer stärker kontrollieren. Aus etwas, das wir normalerweise selbstverständlich tun, wird plötzlich eine Aufgabe, bei der wir jeden einzelnen Schritt beobachten.

Vielleicht kennst du das vor einer Präsentation. Du möchtest auf keinen Fall nervös werden und überprüfst deshalb ständig, ob du schon nervös bist. Du möchtest keinen Blackout bekommen und testest kurz vor einer Prüfung immer wieder, ob du noch alles weißt. Du möchtest souverän wirken und beobachtest während des Sprechens deine Stimme, deine Hände und die Reaktionen der anderen. Du möchtest keinen Fehler machen und kontrollierst deshalb jeden Satz.

Damit bist du irgendwann nicht mehr vollständig bei dem, was du eigentlich tun möchtest. Ein Teil deiner Aufmerksamkeit beschäftigt sich ständig mit der Frage: „Funktioniere ich gerade richtig?“

Und genau das kann den Druck weiter erhöhen.

Besonders schwierig kann es werden, wenn du bereits eine unangenehme Erfahrung gemacht hast. Vielleicht hattest du während einer Prüfung tatsächlich einmal einen Blackout. Vielleicht hast du bei einer Präsentation den Faden verloren oder warst in einem wichtigen Gespräch so nervös, dass du hinterher das Gefühl hattest, überhaupt nicht du selbst gewesen zu sein. Dann gehst du beim nächsten Mal möglicherweise nicht mehr unvoreingenommen in die Situation. Du erinnerst dich daran und möchtest vor allem verhindern, dass es wieder passiert.

Aus der Angst vor der eigentlichen Situation wird dann zusätzlich die Angst vor der eigenen Reaktion. Genau diesen Kreislauf beschreibe ich auch in „Warum habe ich plötzlich einen Blackout, obwohl ich alles wusste?“. Je stärker du versuchst, eine bestimmte Reaktion auf keinen Fall wieder zu erleben, desto genauer beobachtest du dich – und desto bedeutsamer kann jedes kleine Zeichen von Nervosität werden.

Wie lässt sich eine solche Leistungsblockade also lösen?

Vielleicht beginnt der erste Schritt gar nicht mit der Frage „Wie bekomme ich diese Reaktion weg?“, sondern mit einer anderen: „Warum fühlt sich diese Situation für mich eigentlich so bedrohlich an?“

Denn zwei Menschen können vor genau derselben Aufgabe stehen und vollkommen unterschiedlich darauf reagieren. Für die eine Person ist eine Präsentation unangenehm, aber machbar. Eine andere beschäftigt sich schon Tage vorher damit und erlebt starke Anspannung. Der Unterschied liegt dann möglicherweise gar nicht in der Präsentation selbst, sondern in der Bedeutung, die sie für die jeweilige Person bekommen hat.

Vielleicht hast du früh gelernt, dass Leistung besonders wichtig ist. Vielleicht wurden Fehler stark kritisiert. Vielleicht hast du einmal erlebt, wie unangenehm es sich anfühlt, vor anderen etwas nicht zu können. Vielleicht möchtest du unbedingt kompetent wirken, weil es für dich schwer auszuhalten ist, wenn andere deine Unsicherheit sehen. Oder du hast im Laufe der Zeit sehr hohe Erwartungen an dich selbst entwickelt.

Dann lautet deine innere Haltung vielleicht nicht mehr: Ich möchte das gut machen, sondern: Ich darf keinen Fehler machen.

Das klingt ähnlich, fühlt sich aber vollkommen anders an.

Wenn du dich darin wiedererkennst, kann es deshalb sinnvoll sein, auch auf Themen wie Perfektionismus, Versagensangst oder Selbstwert zu schauen. Denn Leistungsblockaden stehen manchmal nicht für sich allein. Hinter ihnen können Überzeugungen darüber liegen, was wir leisten müssen, um uns kompetent, anerkannt oder gut genug zu fühlen.

Ein weiterer Schritt kann darin bestehen, die eigene körperliche Reaktion anders einzuordnen.

Herzklopfen bedeutet zunächst einmal, dass dein Körper aktiviert ist. Eine kurze Denkpause bedeutet nicht automatisch, dass du gleich einen Blackout bekommst. Nervosität bedeutet nicht, dass du inkompetent bist. Wenn du jedoch jede dieser Reaktionen sofort als Warnsignal interpretierst, kann daraus schnell eine Spirale entstehen. Du bemerkst dein Herzklopfen, bekommst Angst vor der Nervosität und versuchst, dich unbedingt zu beruhigen. Dadurch richtest du noch mehr Aufmerksamkeit auf deinen Körper – und die Anspannung bekommt noch mehr Raum.

Vielleicht muss das Ziel deshalb gar nicht sein, vor wichtigen Situationen überhaupt nichts mehr zu spüren. Du darfst aufgeregt sein. Du darfst kurz nach einem Wort suchen. Du darfst vor einer Präsentation Herzklopfen haben und du darfst eine Frage einmal nicht sofort beantworten können. Das alles sagt zunächst nichts darüber aus, wie kompetent du bist.

Vielleicht entsteht echte Sicherheit deshalb auch nicht dadurch, dass du dir garantieren kannst, dass nichts Unangenehmes passieren wird. Sie kann aus einem anderen Vertrauen entstehen:

Auch wenn etwas nicht perfekt läuft, kann ich damit umgehen.

Das verändert etwas. Denn dann musst du nicht mehr jede Unsicherheit verhindern. Du darfst erleben, dass du trotz Unsicherheit handlungsfähig bleibst. Vielleicht zittert deine Stimme am Anfang einer Präsentation ein wenig und du sprichst trotzdem weiter. Vielleicht brauchst du während einer Prüfung einen Moment, um dich zu sammeln, und findest anschließend wieder in die Aufgabe. Vielleicht kannst du eine Frage in einem wichtigen Gespräch nicht beantworten und sagst einfach: Darüber muss ich kurz nachdenken.

Das sind keine Beweise dafür, dass du versagt hast. Es sind Erfahrungen, die dir zeigen können: Ich muss nicht alles kontrollieren, um mit einer Situation umgehen zu können.

Im Coaching können wir gemeinsam genauer anschauen, was hinter deiner persönlichen Leistungsblockade steckt. Welche Gedanken tauchen unmittelbar vor dem entscheidenden Moment auf? Welche Erwartungen stellst du an dich selbst? Was glaubst du, würde passieren, wenn du nicht deine beste Leistung zeigst? Und welche Bedeutung haben Fehler, Nervosität oder die Bewertung anderer für dich?

Auch auflösende Hypnose kann eine Möglichkeit sein, den emotionalen Erfahrungen hinter solchen Reaktionen nachzugehen. Gerade wenn du rational längst weißt, dass eine Situation ungefährlich ist und dein Körper trotzdem immer wieder stark darauf reagiert, kann es sinnvoll sein, nicht ausschließlich auf der bewussten Ebene weiter nach Erklärungen zu suchen.

Denn vielleicht hast du dir bereits hundertmal gesagt, dass du keine Angst haben musst. Du weißt, dass du vorbereitet bist. Du weißt, dass ein Fehler keine Katastrophe wäre. Du weißt vielleicht sogar, dass manche deiner Gedanken übertrieben sind.

Und trotzdem fühlt es sich nicht anders an.

Dann brauchst du möglicherweise nicht noch ein weiteres Argument gegen deine Angst. Vielleicht lohnt es sich vielmehr herauszufinden, warum etwas in dir diese Situation trotzdem als so bedeutsam erlebt.

Dabei geht es nicht darum, jede Nervosität verschwinden zu lassen oder künftig vollkommen unbeeindruckt durch jede Prüfung, Präsentation oder Herausforderung zu gehen. Eine wichtige Situation darf sich wichtig anfühlen. Es geht vielmehr darum, dass deine innere Reaktion nicht mehr darüber entscheidet, was du dir zutraust. Dass du vor anderen sprechen kannst, auch wenn dein Herz schneller schlägt. Dass du eine Prüfung schreiben kannst, ohne dich vorher tagelang mit der Angst vor einem Blackout zu beschäftigen. Dass du in einem wichtigen Gespräch nicht ständig kontrollieren musst, wie du wirkst. Und dass du in entscheidenden Momenten wieder mehr von dem zeigen kannst, was längst in dir vorhanden ist.

Vielleicht bedeutet eine gelöste Leistungsblockade deshalb gar nicht: Ich bin überhaupt nicht mehr nervös.

Vielleicht bedeutet sie vielmehr: „Ich vertraue mir auch dann, wenn ich nervös bin.“

Und vielleicht ist genau das die Form von Sicherheit, die du wirklich brauchst

Was könntest du zeigen, wenn du nicht mehr damit beschäftigt wärst, keinen Fehler machen zu dürfen?

Wenn du merkst, dass du in Prüfungen, Präsentationen oder anderen wichtigen Situationen immer wieder hinter deinen Möglichkeiten zurückbleibst, obwohl du eigentlich gut vorbereitet bist, können wir gemeinsam anschauen, was dich in diesen Momenten blockiert.

In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welcher Weg für dich passend sein könnte.

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