
Warum habe ich solche Angst zu versagen?
Du stehst vor einer neuen Aufgabe, möchtest etwas ausprobieren oder bekommst eine Chance, über die du dich eigentlich freuen könntest.
Doch statt Vorfreude taucht plötzlich ein anderer Gedanke auf:
Was ist, wenn ich es nicht schaffe?
Vielleicht geht es um eine neue berufliche Aufgabe, ein wichtiges Gespräch, eine Prüfung oder ein Projekt, das dir viel bedeutet.
Je wichtiger dir etwas ist, desto größer kann manchmal auch die Sorge werden, daran zu scheitern.
Dabei geht es häufig gar nicht nur um das Scheitern selbst. Es geht auch darum, was es deiner Meinung nach über dich aussagen könnte.
Was denken die anderen, wenn ich das nicht hinbekomme?
Vielleicht merken sie dann, dass ich doch nicht so kompetent bin.
Was, wenn ich mich überschätzt habe?
Vielleicht hätte ich es gar nicht erst versuchen sollen.
Genau deshalb kann Versagensangst so viel Druck erzeugen.
Eine Aufgabe ist dann nicht einfach nur eine Aufgabe. Ihr Ausgang bekommt plötzlich eine viel größere Bedeutung: Bin ich gut genug? Bin ich kompetent genug? Was denken andere über mich, wenn es nicht gelingt?
Manchmal entsteht daraus ein merkwürdiger Widerspruch.
Eigentlich möchtest du etwas erreichen. Gleichzeitig hältst du dich selbst zurück.
Du bereitest dich immer weiter vor, wartest auf den richtigen Zeitpunkt oder möchtest erst noch mehr lernen. Vielleicht erzählst du anderen lieber noch nichts von deinem Vorhaben, damit niemand mitbekommt, falls es nicht funktioniert.
Nach außen kann das wie Vorsicht aussehen.
Innerlich steckt dahinter vielleicht der Gedanke:
Wenn ich gar nicht erst richtig anfange, kann ich auch nicht richtig scheitern.
Versagensangst zeigt sich aber nicht immer durch Vermeidung.
Manche Menschen reagieren genau umgekehrt. Sie arbeiten besonders viel, bereiten sich auf jede Eventualität vor und versuchen, möglichst nichts dem Zufall zu überlassen.
Sie möchten jede Frage beantworten können und gehen Situationen im Kopf immer wieder durch.
Das kann lange sogar sehr gut funktionieren. Vielleicht bist du gerade deshalb zuverlässig, gewissenhaft und gut vorbereitet.
Schwierig wird es, wenn du das Gefühl bekommst, diese Sicherheit ständig herstellen zu müssen.
Denn egal, wie gut du vorbereitet bist – hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.
Gerade wenn dir wichtig ist, wie andere deine Fähigkeiten einschätzen, kann eine neue Situation deshalb besonders viel Druck auslösen.
Vielleicht hast du gar nicht so sehr Angst davor, etwas nicht zu können. Viel unangenehmer ist möglicherweise die Vorstellung, andere könnten sehen, dass du etwas nicht kannst.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Natürlich weißt du wahrscheinlich, dass niemand alles können kann.
Trotzdem kann sich eine Wissenslücke, ein Fehler oder eine Unsicherheit bei dir selbst ganz anders anfühlen. Vielleicht entsteht sofort die Sorge, jemand könnte seine Meinung über dich ändern.
Wenn du solche Gedanken kennst, könnte auch mein Artikel „Warum traue ich mir so wenig zu?“ interessant für dich sein.
Denn die Sorge zu versagen und Zweifel an den eigenen Fähigkeiten können sich gegenseitig verstärken.
Auch hohe Erwartungen an dich selbst können dabei eine Rolle spielen.
Wenn du glaubst, immer kompetent, souverän oder leistungsfähig wirken zu müssen, bekommen Situationen, deren Ausgang offen ist, schnell eine besondere Bedeutung.
Vielleicht reicht „gut“ dann nicht aus.
Vielleicht möchtest du möglichst keinen Fehler machen.
Vielleicht möchtest du dich erst zeigen, wenn du sicher bist, dass du vorbereitet bist.
Genau hier können Perfektionismus und innerer Druck eine Rolle spielen.
Auch mein Artikel „Warum glaube ich, immer allen Erwartungen gerecht werden zu müssen?“ beschäftigt sich mit der Frage, welche Ansprüche und Erwartungen unser Handeln beeinflussen können.
Vielleicht fragst du dich jetzt, woher eine solche Angst überhaupt kommt.
Darauf gibt es nicht die eine Antwort.
Unsere Vorstellungen über Leistung, Fehler und Erfolg können durch ganz unterschiedliche Erfahrungen geprägt sein. Vielleicht hast du erlebt, dass Leistung in deinem Umfeld eine große Bedeutung hatte. Vielleicht erinnerst du dich an Situationen, in denen Fehler besonders unangenehm für dich waren. Oder du hast irgendwann bestimmte Überzeugungen über dich und deine Leistung entwickelt.
Zum Beispiel:
Ich darf mir keine Schwäche erlauben.
Ich muss zeigen, dass ich es kann.
Ich darf keine Fehler machen.
Ich muss gut vorbereitet sein.
Andere dürfen nicht merken, dass ich unsicher bin.
Solche Gedanken können mit der Zeit so selbstverständlich werden, dass wir sie kaum noch hinterfragen.
Und wenn du längst weißt, dass Fehler menschlich sind, bedeutet das nicht automatisch, dass sich eine konkrete Situation für dich deshalb leicht anfühlt.
Genau deshalb geht es auch nicht darum, irgendwann überhaupt keine Sorge mehr vor dem Scheitern zu haben.
Wenn uns etwas wichtig ist, möchten wir natürlich, dass es gelingt.
Eine andere Frage kann deshalb hilfreicher sein:
Wie viel Einfluss bekommt die Angst vor dem Scheitern auf das, was ich tue oder nicht tue?
Hält sie dich davon ab, Dinge auszuprobieren?
Bewirbst du dich nicht, obwohl dich eine Stelle interessiert?
Sprichst du eine Idee nicht aus, obwohl du von ihr überzeugt bist?
Oder verlangst du von dir, erst vollkommen vorbereitet zu sein, bevor du dich zeigst?
Dann kann es hilfreich sein, einmal nicht nur auf die Angst selbst zu schauen, sondern auf die Bedeutung, die du einem möglichen Scheitern gibst.
Denn etwas nicht zu schaffen bedeutet zunächst einmal:
Etwas hat nicht so funktioniert, wie du es dir gewünscht hast.
Es bedeutet nicht automatisch:
Ich kann es nicht.
Und schon gar nicht:
Ich bin nicht gut genug.
Wenn Leistung und die eigene Einschätzung sehr eng miteinander verbunden sind, kann jeder Fehler plötzlich viel größer erscheinen, als er eigentlich ist.
Dann geht es vielleicht nicht nur darum, weniger Angst vor dem Scheitern zu haben. Sondern auch darum, sich selbst nicht bei jedem Erfolg oder Misserfolg neu bewerten zu müssen.
Manchmal entsteht daraus eine innere Blockade: Du möchtest etwas ausprobieren oder einen Schritt gehen – und hältst dich trotzdem zurück, weil du vorher die Sicherheit haben möchtest, dass es gelingt.
Im Coaching können wir gemeinsam genauer hinschauen, was deine Versagensangst für dich bedeutet.
In welchen Situationen wird sie besonders stark?
Was befürchtest du, könnte passieren?
Welche Erwartungen stellst du an dich?
Und was würde es für dich bedeuten, wenn etwas einmal nicht gelingt?
Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen.
Dabei geht es nicht darum, die Angst einfach „wegzumachen“ oder in der Hypnose eine bestimmte Ursache dafür zu finden.
Vielmehr können wir darauf schauen, was du mit Leistung, Fehlern und möglichen Misserfolgen verbindest, welche Erfahrungen oder Überzeugungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen und was du für dich daraus erkennen kannst.
Das Ziel muss dabei nicht sein, dass dir künftig egal ist, ob etwas gelingt.
Vielleicht geht es vielmehr darum, dir neue Situationen zu erlauben, ohne vorher die Garantie zu brauchen, dass alles funktioniert.
Denn Selbstvertrauen bedeutet nicht:
„Ich weiß, dass ich es schaffen werde.“
Vielleicht bedeutet es vielmehr:
„Ich traue mir zu, auch damit umgehen zu können, wenn es nicht gelingt.“
Was würdest du ausprobieren, wenn Scheitern nichts über deinen Wert aussagen würde?
Wenn du merkst, dass die Angst vor dem Versagen dich zurückhält oder du ständig das Gefühl hast, deine Kompetenz beweisen zu müssen, können wir gemeinsam herausfinden, was hinter diesem Muster steckt.
In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen, welcher Weg für dich passend sein könnte.









