
Warum fällt es mir so schwer, meine Meinung zu sagen?
Vielleicht kennst du solche Situationen:
In einem Gespräch wird etwas gesagt, mit dem du eigentlich nicht einverstanden bist. Du hast sofort einen Gedanken dazu und weißt ziemlich genau, was du sagen möchtest.
Trotzdem hältst du dich zurück.
Vielleicht überlegst du zu lange, suchst nach den richtigen Worten oder wartest auf einen passenden Moment. Und irgendwann ist das Gespräch weitergegangen und du hast wieder nichts gesagt.
Später fällt dir ganz genau ein, was du hättest sagen können. Vielleicht ärgerst du dich sogar über dich selbst und fragst dich, warum du in solchen Momenten nicht einfach den Mund aufmachst.
Dabei ist es oft gar nicht so, dass wir keine eigene Meinung haben.
Im Gegenteil. Wir wissen vielleicht ziemlich genau, was wir denken.
Schwierig wird es erst in dem Moment, in dem wir diese Meinung nach außen tragen sollen. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um unsere Gedanken, sondern auch darum, wie andere darauf reagieren könnten.
Was, wenn die anderen das völlig anders sehen?
Was, wenn mein Gedanke doch nicht richtig ist?
Was, wenn ich etwas Falsches sage?
Was, wenn die anderen denken, ich hätte keine Ahnung?
Und schon passiert etwas Interessantes:
Noch bevor jemand unsere Meinung kritisieren konnte, haben wir selbst damit angefangen.
Vielleicht denkst du viel darüber nach, wie du auf andere wirkst. Du formulierst besonders vorsichtig, relativierst deine Aussagen oder beginnst einen Satz mit:
„Ich weiß nicht, ob das jetzt richtig ist, aber …“
Aus einer eigentlich klaren Meinung wird plötzlich eine vorsichtige Vermutung.
Nicht unbedingt, weil du weniger davon überzeugt bist. Vielleicht versuchst du damit vielmehr, dich ein Stück abzusichern. Sollte jemand widersprechen, fühlt es sich möglicherweise weniger unangenehm an.
Hinter dieser Zurückhaltung können ganz unterschiedliche Gedanken und Erfahrungen stehen.
Vielleicht möchtest du Konflikte vermeiden.
Vielleicht ist dir die Meinung bestimmter Menschen besonders wichtig.
Vielleicht möchtest du nichts Falsches sagen.
Vielleicht glaubst du, erst vollkommen sicher sein zu müssen, bevor du dich äußern darfst.
Und vielleicht hast du irgendwann die Erfahrung gemacht, dass es unangenehm sein kann, wenn die eigene Meinung auf Widerspruch trifft.
Was davon auf dich zutrifft, lässt sich nicht allgemein beantworten.
Interessant ist vielmehr die Frage: Was befürchtest du in dem Moment, in dem du eigentlich etwas sagen möchtest – und es dann doch nicht tust?
Das bedeutet nicht, dass du grundsätzlich unsicher sein musst.
Vielleicht kannst du in Bereichen, in denen du dich sehr gut auskennst, durchaus klar auftreten. Doch sobald du nicht vollkommen sicher bist oder Menschen gegenüberstehst, deren Meinung dir wichtig ist, verändert sich etwas.
Dann bekommt die Einschätzung anderer möglicherweise mehr Gewicht als deine eigene.
Genau hier berühren sich Selbstvertrauen und Sichtbarkeit.
Denn die eigene Meinung zu sagen bedeutet immer auch, ein Stück von sich selbst sichtbar zu machen.
Solange du nichts sagst, kann niemand deiner Ansicht widersprechen. Sobald du dich positionierst, kann jemand die Dinge anders sehen.
Das auszuhalten kann ein wichtiger Teil von Selbstvertrauen sein.
Selbstvertrauen bedeutet nämlich nicht, davon auszugehen, dass die eigene Meinung immer richtig ist. Es bedeutet auch nicht, besonders laut oder durchsetzungsstark aufzutreten.
Es kann vielmehr bedeuten, sich zu erlauben, einen Gedanken auszusprechen und gleichzeitig damit umgehen zu können, dass ein anderer Mensch die Dinge anders sieht.
Vielleicht fällt dir genau das schwer, weil du sehr hohe Erwartungen an dich selbst stellst.
Wenn du glaubst, etwas erst sagen zu dürfen, wenn du absolut sicher bist, wird Schweigen schnell zur vermeintlich sicheren Alternative.
Dann können auch Perfektionismus und innerer Druck eine Rolle spielen.
Vielleicht kennst du auch den Gedanken, möglichst den Erwartungen anderer entsprechen zu müssen. In meinem Artikel „Warum glaube ich, immer allen Erwartungen gerecht werden zu müssen?“ geht es genauer darum.
Auch die Sorge, nicht kompetent genug zu wirken, kann eine Rolle spielen.
Besonders im beruflichen Umfeld entsteht vielleicht der Gedanke:
„Wenn ich jetzt etwas sage und es stimmt nicht, merken die anderen vielleicht, dass ich eigentlich gar nicht so viel kann.“
Also wartest du lieber.
Und nicht selten sagt kurz darauf jemand anderes ziemlich genau das, was du selbst gedacht hast.
Vielleicht kennst du das.
Und vielleicht kommt dann noch ein zweiter Gedanke dazu:
Warum habe ich es nicht einfach gesagt?
Solche Situationen lassen sich nicht immer mit dem Vorsatz „Beim nächsten Mal bin ich mutiger“ verändern.
Wenn du dich immer wieder zurückhältst, obwohl du eigentlich etwas sagen möchtest, lohnt es sich vielleicht, genauer hinzuschauen:
Was hält dich in diesem Moment zurück?
Was möchtest du vermeiden?
Was glaubst du, könnte passieren?
Und wie wichtig ist dir die Zustimmung der anderen?
Manchmal wird daraus eine innere Blockade: Du weißt eigentlich, was du möchtest oder sagen willst – und trotzdem hält dich etwas davon ab, es auch zu tun.
Ähnlich kann es in Beziehungen oder Freundschaften sein.
Vielleicht sagst du nicht, wenn dich etwas stört, weil du keinen Streit möchtest. Du schluckst Kleinigkeiten herunter, versuchst Verständnis zu haben und hoffst, dass sich das Problem von selbst erledigt.
Irgendwann merkst du jedoch vielleicht, dass deine eigenen Wünsche oder Grenzen kaum noch vorkommen.
Denn auch eine Grenze kann ein anderer Mensch häufig erst dann wahrnehmen, wenn wir sie zeigen oder aussprechen.
Es geht deshalb nicht darum, künftig zu allem eine Meinung haben zu müssen oder jede Diskussion zu führen.
Manchmal ist Schweigen genau die richtige Entscheidung.
Der entscheidende Unterschied kann darin liegen, ob du dich bewusst dafür entscheidest – oder ob du eigentlich etwas sagen möchtest und dich aus Sorge vor der Reaktion anderer zurückhältst.
Ein anderer Mensch darf deine Meinung nicht teilen.
Er darf sie sogar für falsch halten.
Und trotzdem darfst du sie haben und aussprechen.
Im Coaching können wir gemeinsam genauer hinschauen, warum es dir in bestimmten Situationen so schwerfällt, dich zu zeigen und deine Gedanken auszusprechen.
In welchen Situationen hältst du dich besonders häufig zurück?
Was befürchtest du, könnte passieren, wenn du dich klar positionierst?
Welche Erwartungen stellst du dabei an dich?
Und welche Bedeutung hat die Reaktion anderer für dich?
Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen.
Dabei geht es nicht darum, eine vermeintliche Ursache für deine Zurückhaltung zu finden oder Unsicherheit einfach „wegzumachen“.
Vielmehr können wir darauf schauen, was du mit solchen Situationen verbindest, welche Erfahrungen oder Überzeugungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen und was du für dich daraus erkennen kannst.
Vielleicht beginnt Veränderung deshalb gar nicht damit, plötzlich besonders selbstbewusst aufzutreten.
Vielleicht beginnt sie viel kleiner.
Mit einem Satz wie:
„Ich sehe das anders.“
Und mit der Erfahrung, dass es vollkommen in Ordnung sein kann, wenn nicht jeder deiner Meinung ist.
Was würdest du häufiger sagen, wenn du keine Angst davor hättest, wie andere darauf reagieren?
Wenn du merkst, dass du deine Meinung häufig zurückhältst, dich anpasst oder dich selbst infrage stellst, können wir gemeinsam herausfinden, was hinter diesem Muster steckt.
In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen, welcher Weg für dich passend sein könnte.









