Warum schaffen andere so viel – und ich so wenig?

Manchmal reicht ein Blick auf andere Menschen und plötzlich fühlt sich das eigene Leben ziemlich klein an. Andere arbeiten Vollzeit, treiben Sport, treffen Freunde, kümmern sich um ihre Familie, haben Hobbys und starten nebenbei noch das nächste Projekt. Sie scheinen ständig etwas zu unternehmen, haben Ideen und wirken voller Energie.

Und du? Vielleicht bist du nach einem normalen Arbeitstag froh, wenn du abends einfach deine Ruhe hast. Am Wochenende möchtest du dich erst einmal erholen. Dinge, die du dir vorgenommen hast, bleiben liegen. Und während du beobachtest, was andere alles schaffen, entsteht irgendwann die Frage: Warum bekomme ich das nicht hin?

Aus einem Vergleich darüber, wie viel zwei Menschen schaffen, kann dann schnell etwas ganz anderes werden. Du vergleichst nicht mehr nur euren Alltag, sondern beginnst, dich selbst zu bewerten. Vielleicht hältst du dich für weniger belastbar, weniger diszipliniert oder weniger leistungsfähig. Im schlimmsten Fall entsteht daraus sogar das Gefühl: Die anderen kriegen ihr Leben auf die Reihe – und ich bin irgendwie eine Null.

Dabei gibt es einen entscheidenden Punkt, den wir beim Vergleichen leicht übersehen: Wir können sehen, was ein anderer Mensch schafft. Aber wir können nicht sehen, wie viel Kraft ihn sein Leben kostet.

Wir vergleichen Ergebnisse – aber nicht den Kraftaufwand

Von außen sehen wir vor allem das Sichtbare. Jemand geht morgens arbeiten, danach zum Sport und trifft sich abends noch mit Freunden. Vielleicht erzählt diese Person am Montag von einem vollgepackten Wochenende, während du froh warst, zwei ruhige Tage zu haben. Schnell entsteht der Eindruck, dass der andere einfach mehr Energie hat und das Leben besser im Griff hat.

Was wir dabei nicht kennen, ist die gesamte Rechnung dahinter. Wir wissen nicht, wie dieser Mensch seinen Alltag erlebt, wie viel Unterstützung er hat, was ihm leichtfällt und was ihn Kraft kostet. Vielleicht gibt ihm ein voller Terminkalender sogar Energie, während du nach vielen Begegnungen Zeit für dich brauchst. Vielleicht gibt es unterschiedliche Verpflichtungen, unterschiedliche Prioritäten oder schlicht unterschiedliche Bedürfnisse.

Deshalb vergleichen wir häufig zwei sichtbare Ergebnisse, ohne die Bedingungen zu kennen, unter denen sie entstanden sind. Trotzdem ziehen wir daraus eine sehr persönliche Schlussfolgerung: Wenn der andere das schafft, müsste ich das doch eigentlich auch schaffen.

Auch das, was niemand sieht, kann Kraft beanspruchen

Hinzu kommt, dass nicht alles, was uns beschäftigt, von außen sichtbar ist. Vielleicht erledigst du objektiv gar nicht so wenig, hast aber gleichzeitig das Gefühl, ständig über etwas nachzudenken. Eine Entscheidung steht an. Ein Konflikt beschäftigt dich. Du möchtest es allen recht machen. Du gehst Gespräche im Kopf noch einmal durch oder überlegst lange, ob du etwas richtig gemacht hast. Vielleicht setzt du dich selbst unter Druck oder versuchst ständig, möglichst wenig falsch zu machen.

All das bedeutet nicht automatisch, dass darin die Ursache für fehlende Energie liegt. Anhaltende oder ungewöhnlich starke Erschöpfung kann körperliche oder psychische Ursachen haben und sollte gegebenenfalls ärztlich beziehungsweise psychotherapeutisch abgeklärt werden. Trotzdem kann es sich lohnen, neben der Frage nach Schlaf, Erholung und körperlicher Gesundheit noch eine andere zu stellen: Wofür brauche ich in meinem Alltag eigentlich Kraft – auch dort, wo niemand etwas davon sieht?

Genau darum geht es auch in meinem Artikel „Warum kostet mich mein Alltag so viel Kraft?“. Manchmal lohnt sich nicht nur der Blick darauf, wie viel wir tun, sondern auch darauf, was uns innerlich immer wieder beschäftigt. Perfektionismus und innerer Druck, ungeklärte Entscheidungen und Veränderungen oder innere Blockaden können dabei Themen sein, die man für sich genauer betrachten möchte.

Vielleicht brauchst du tatsächlich weniger als andere

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die wir oft viel schwerer akzeptieren können: Vielleicht möchtest oder brauchst du tatsächlich weniger Termine, mehr Ruhe oder mehr Zeit für dich als ein anderer Mensch. Vielleicht fühlt sich ein Wochenende mit drei Verabredungen für jemanden wunderbar an und für dich einfach nur voll. Vielleicht macht es einem anderen Spaß, ständig mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen, während du dich wohler fühlst, wenn du dich auf wenige Dinge konzentrieren kannst.

Das muss nicht automatisch ein Defizit sein, das beseitigt werden muss. Menschen müssen ihr Leben nicht im gleichen Tempo führen. Trotzdem leben wir in einer Umgebung, in der Aktivität gut sichtbar ist. Wir sehen, was jemand unternimmt, erreicht, organisiert oder produziert. Ruhe, Nachdenken, langsameres Arbeiten oder der Wunsch nach weniger Terminen lassen sich dagegen schlechter vorzeigen.

Schwierig wird es, wenn aus diesem Unterschied eine Bewertung entsteht. Dann heißt es nicht mehr: Wir leben unterschiedlich. Sondern: Mit mir stimmt etwas nicht, weil ich weniger schaffe. Und genau an dieser Stelle lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Seit wann bestimmt die Menge darüber, ob du genug bist?

Natürlich gibt es Situationen, in denen wir Dinge erledigen müssen, auch wenn wir gerade keine Lust darauf haben. Und manchmal möchten wir tatsächlich etwas verändern, weil wir merken, dass wir uns selbst im Weg stehen oder wichtige Dinge immer wieder aufschieben. Es geht deshalb nicht darum, jede Anstrengung abzulehnen oder sich einzureden, dass alles genauso bleiben muss.

Etwas anderes ist es jedoch, die eigene Person danach zu beurteilen, wie viel man an einem Tag schafft. Wenn du dich nur dann als leistungsfähig empfindest, wenn deine To-do-Liste lang genug war, oder dich schlecht fühlst, sobald andere scheinbar mehr leisten, wird aus Leistung schnell ein persönlicher Maßstab.

Vielleicht hilft dann eine andere Frage mehr als der nächste Versuch, produktiver zu werden: Was wäre für mich eigentlich ein gutes Maß? Nicht für den Kollegen, der morgens vor der Arbeit zehn Kilometer läuft. Nicht für die Freundin, die jedes Wochenende unterwegs ist. Nicht für den Menschen auf Instagram, dessen Alltag du ohnehin nur ausschnittsweise kennst. Sondern für dich.

Das ist auch ein Thema von Orientierung & eigener Weg. Denn den eigenen Weg zu finden bedeutet nicht nur, große Lebensentscheidungen zu treffen. Es kann auch heißen, herauszufinden, welches Tempo, welche Prioritäten und welche Art von Alltag eigentlich zu dir passen.

Was möchtest du mit deiner Energie machen?

Vielleicht liegt genau hier eine interessante Verschiebung. Statt dich immer wieder zu fragen, wie du endlich mehr schaffen kannst, könntest du zunächst anschauen, wofür du deine vorhandene Energie einsetzen möchtest. Denn ein voller Tag ist nicht automatisch ein guter Tag. Und ein weniger voller Tag ist nicht automatisch ein verschenkter Tag.

Vielleicht möchtest du deine Kraft für deine Arbeit einsetzen, aber danach tatsächlich Ruhe haben. Vielleicht möchtest du weniger Verpflichtungen und dafür wieder etwas tun, das dich interessiert. Vielleicht möchtest du mehr Zeit mit Menschen verbringen, die dir wichtig sind. Oder du merkst, dass du gar nicht genau weißt, was dir momentan Freude macht oder dir etwas gibt. Auch das kann ein Ausgangspunkt sein, genauer hinzuschauen.

Bei Energie & Lebendigkeit geht es für mich deshalb nicht darum, möglichst viel Energie zu haben, damit noch mehr in einen Tag passt. Es geht auch darum, bewusster wahrzunehmen, was Kraft kostet, was Kraft gibt und wofür du deine Energie eigentlich verwenden möchtest.

Was Coaching und Hypnose damit zu tun haben können

Im Coaching können wir gemeinsam genauer anschauen, was hinter deinem Vergleich mit anderen steht. Geht es wirklich darum, dass du etwas verändern möchtest? Oder versuchst du vor allem, einem Maßstab gerecht zu werden, der vielleicht gar nicht deiner ist? Welche Ansprüche stellst du an dich selbst? Was kostet dich im Alltag Kraft? Und wie würde ein Leben aussehen, bei dem nicht die Menge dessen, was du schaffst, darüber entscheidet, ob der Tag für dich gut war?

Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen. Dabei geht es nicht darum, eine verborgene Ursache für deine Energie oder Leistungsfähigkeit zu finden. Vielmehr können wir betrachten, was du mit Leistung, Ruhe, Erwartungen und dem Vergleich mit anderen verbindest und was du für dich daraus erkennen kannst.

Vielleicht stellst du dabei fest, dass du tatsächlich etwas verändern möchtest. Vielleicht gibt es Dinge, die unnötig viel Raum oder Kraft beanspruchen. Vielleicht möchtest du lernen, mit bestimmten inneren Ansprüchen anders umzugehen. Es kann aber genauso sein, dass eine ganz andere Erkenntnis wichtig wird: dass dein Leben nicht genauso voll sein muss wie das eines anderen Menschen.

Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb nicht: „Wie schaffe ich endlich so viel wie die anderen?“ Sondern: „Wie möchte ich eigentlich leben – und wie viel davon passt zu mir?“

Was wäre für dich genug, wenn du dich einmal nicht mit anderen vergleichen würdest?

Wenn du merkst, dass du dich häufig daran misst, wie viel andere Menschen schaffen, können wir gemeinsam genauer hinschauen, welche Ansprüche du an dich stellst, was dich Kraft kostet und wie ein Alltag aussehen könnte, der besser zu dir und deinen eigenen Bedürfnissen passt.

In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welcher Weg für dich passend sein könnte.

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