
Warum halte ich an Dingen fest, die mir nicht mehr guttun?
Vielleicht gibt es etwas in deinem Leben, von dem du schon lange weißt, dass es dir nicht mehr guttut. Eine Beziehung, eine Freundschaft, eine berufliche Situation, eine Aufgabe oder vielleicht auch eine Vorstellung davon, wie dein Leben eigentlich sein sollte. Du hast schon oft darüber nachgedacht, etwas zu verändern. Vielleicht hast du dir sogar mehrfach vorgenommen: So möchte ich nicht weitermachen.
Und trotzdem bleibst du.
Manchmal verstehen wir uns selbst dabei nicht. Wir sehen ziemlich klar, dass uns etwas Kraft kostet, uns unzufrieden macht oder längst nicht mehr zu uns passt. Von außen betrachtet scheint die Lösung vielleicht sogar offensichtlich. Doch sobald es darum geht, wirklich loszulassen, fühlt sich alles plötzlich viel komplizierter an.
Denn zu wissen, dass etwas nicht mehr guttut, bedeutet noch lange nicht, dass es leicht ist, sich davon zu lösen.
Wir verbinden mit Menschen, Orten, Aufgaben und Lebensentwürfen nicht nur das, was heute ist. Wir verbinden damit auch Erinnerungen, Hoffnungen, Erwartungen und einen Teil unserer eigenen Geschichte. Vielleicht war eine Beziehung einmal sehr schön. Vielleicht hat dir ein Beruf lange Sicherheit gegeben. Vielleicht hast du viel Zeit, Kraft oder Liebe in etwas investiert.
Dann lassen wir nicht einfach nur eine Situation los. Wir verabschieden uns manchmal auch von der Vorstellung, was daraus hätte werden können.
Vielleicht kennst du den Gedanken: Ich habe schon so viel investiert. Jetzt kann ich doch nicht einfach aufgeben.
Du hast Jahre in einen Beruf gesteckt, eine Ausbildung gemacht oder dir etwas aufgebaut. Du hast lange an einer Beziehung gearbeitet. Du hast immer wieder versucht, eine Situation zu verbessern. Je mehr wir investiert haben, desto schwerer kann es werden, uns einzugestehen, dass etwas trotzdem nicht mehr zu uns passt. Dann fühlt sich Loslassen schnell wie Scheitern an.
Dabei kann es manchmal genau das Gegenteil sein. Vielleicht bedeutet Loslassen nicht, dass all die Jahre umsonst waren. Vielleicht war etwas für einen bestimmten Abschnitt deines Lebens richtig und ist es heute einfach nicht mehr.
Menschen verändern sich. Bedürfnisse verändern sich. Lebensumstände verändern sich.
Und trotzdem erwarten wir manchmal von Entscheidungen, die wir vor zehn oder zwanzig Jahren getroffen haben, dass sie für immer zu uns passen müssen. Hinzu kommt die Sicherheit des Vertrauten. Selbst eine Situation, die uns unglücklich macht, kennen wir wenigstens. Wir wissen, was uns erwartet. Wir haben Strategien entwickelt, damit umzugehen. Was nach dem Loslassen kommt, kennen wir dagegen nicht.
Genau deshalb hängen Loslassen und Veränderungsangst oft eng zusammen. In meinem Artikel „Warum habe ich Angst vor Veränderungen?“ geht es darum, warum sich das Bekannte manchmal sicherer anfühlt als eine unbekannte Alternative – selbst wenn wir mit dem Bekannten längst nicht mehr glücklich sind.
Vielleicht hält dich aber auch die Hoffnung fest.
Vielleicht wird es doch noch besser.
Vielleicht ändert sich der andere.
Vielleicht muss ich mich einfach noch ein bisschen mehr anstrengen.
Vielleicht kommt die Freude an meiner Arbeit irgendwann zurück.
Hoffnung kann unglaublich wichtig sein. Sie kann uns durch schwierige Phasen tragen und verhindern, dass wir vorschnell aufgeben. Doch manchmal hält sie uns auch in Situationen, in denen wir schon sehr lange darauf warten, dass sich etwas verändert.
Dann kann eine unangenehme Frage hilfreich sein: Warte ich auf eine realistische Veränderung – oder auf die Möglichkeit, dass ich mich nicht entscheiden muss?
Auch die Erwartungen anderer können das Loslassen erschweren. Vielleicht hast du Angst, jemanden zu enttäuschen. Vielleicht fragst du dich, was andere über deine Entscheidung denken würden. Vielleicht möchtest du nicht als undankbar, egoistisch oder sprunghaft wahrgenommen werden.
Gerade wenn du gewohnt bist, viel Rücksicht auf andere zu nehmen, kann es schwer sein, eine Entscheidung allein deshalb zu treffen, weil sie für dich richtig ist. Wenn du dich darin wiedererkennst, könnten auch meine Artikel „Warum glaube ich, immer allen Erwartungen gerecht werden zu müssen?“ und die Themenwelt „Beziehungen & Grenzen setzen“ interessant für dich sein.
Manchmal geht es beim Festhalten aber noch um etwas Tieferes.
Eine Rolle kann Teil unserer Identität geworden sein.
Vielleicht warst du viele Jahre diejenige, die alles zusammenhält. Die Vernünftige. Die Zuverlässige. Diejenige, auf die sich alle verlassen können. Vielleicht definierst du dich stark über deinen Beruf, deine Partnerschaft oder darüber, für andere da zu sein. Wenn sich dieser Bereich verändert, entsteht deshalb nicht nur die Frage „Was mache ich jetzt?“, sondern möglicherweise auch:
„Wer bin ich eigentlich, wenn das wegfällt?“
Genau deshalb kann Neuorientierung sich manchmal so verunsichernd anfühlen. Etwas Neues zu beginnen bedeutet häufig auch, eine vertraute Version von uns selbst zurückzulassen. Und vielleicht weißt du anschließend noch gar nicht, wer du stattdessen sein möchtest.
In meinem Artikel „Warum weiß ich nicht, was ich wirklich will?“ geht es genau um diese Zwischenphase. Du musst nicht sofort einen neuen Lebensplan haben, nur weil du erkannt hast, dass der alte nicht mehr passt.
Es darf einen Raum dazwischen geben. Einen Moment, in dem das Alte nicht mehr richtig ist und das Neue noch nicht klar.
Vielleicht ist genau dieser Zustand so schwer auszuhalten, weil wir schnell wieder Sicherheit herstellen möchten. Dann bleiben wir lieber noch etwas länger beim Bekannten, als uns für eine Weile auf dieses offene Dazwischen einzulassen.
Loslassen bedeutet deshalb auch nicht immer, sofort eine endgültige Entscheidung zu treffen. Manchmal beginnt es viel früher. Indem du dir erlaubst, deine eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen. Indem du nicht mehr jedes ungute Gefühl sofort erklärst oder relativierst. Indem du dich fragst, warum du eigentlich noch festhältst.
Nicht nur: „Warum sollte ich gehen?“
Sondern auch: „Warum möchte ich bleiben?“
Vielleicht gibt es dafür sehr gute Gründe. Vielleicht lohnt es sich, weiter an etwas zu arbeiten. Vielleicht braucht eine Situation einfach Zeit. Aber vielleicht merkst du auch, dass deine Antwort hauptsächlich aus Angst, Gewohnheit, Schuldgefühl oder den Erwartungen anderer besteht.
Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Im Coaching können wir gemeinsam herausfinden, was dich an einer Situation festhalten lässt. Welche Bedürfnisse stehen dahinter? Welche Ängste tauchen auf, wenn du ans Loslassen denkst? Welche Glaubenssätze oder Erfahrungen führen vielleicht dazu, dass du glaubst, durchhalten zu müssen?
Auch mit auflösender Hypnose können wir den emotionalen Erfahrungen hinter solchen Mustern nachgehen. Denn manchmal wissen wir auf der bewussten Ebene längst, dass etwas nicht mehr zu uns passt – und trotzdem fühlt sich der Gedanke, es loszulassen, innerlich fast unmöglich an.
Es geht dabei nicht darum, vorschnell etwas zu beenden.
Es geht darum, wieder unterscheiden zu können:
Halte ich daran fest, weil es mir wichtig ist – oder weil ich Angst davor habe, es loszulassen?
Vielleicht verändert allein diese Frage schon etwas.
Wenn du heute nichts mehr beweisen, retten oder durchhalten müsstest – woran würdest du trotzdem festhalten?
Wenn du spürst, dass etwas in deinem Leben nicht mehr zu dir passt und es dir trotzdem schwerfällt, dich davon zu lösen, können wir gemeinsam anschauen, was dich noch festhält.
In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welcher Weg für dich passend sein könnte.








