
Warum kann ich keine Komplimente annehmen?
Vielleicht kennst du diese Situation:
Jemand macht dir ein ehrliches Kompliment.
Vielleicht lobt jemand deine Arbeit, dein Aussehen, eine Idee oder etwas an deiner Art.
Und statt dich einfach darüber zu freuen, antwortest du sofort:
„Ach, das war doch gar nichts.“
Oder:
„Da hatte ich einfach Glück.“
Vielleicht erklärst du gleich, was noch nicht gut war.
Du wechselst schnell das Thema.
Oder du machst direkt ein Gegenkompliment, damit die Aufmerksamkeit nicht länger bei dir liegt.
Das Kompliment ist ausgesprochen – aber wirklich ankommen lässt du es nicht.
Warum eigentlich?
Was macht ein Kompliment so unangenehm?
Nicht jeder Mensch mag es, im Mittelpunkt zu stehen.
Und natürlich musst du dich über jedes Kompliment überschwänglich freuen.
Interessant wird es, wenn du Anerkennung fast automatisch zurückweist.
Vielleicht denkst du:
„So gut war das nun auch wieder nicht.“
„Die Person meint das bestimmt nur nett.“
„Wenn sie wüsste, wie viel dabei nicht funktioniert hat.“
„Andere können das viel besser.“
Dann lohnt sich vielleicht eine einfache Frage:
Warum fällt es dir leichter, das Kompliment infrage zu stellen, als es einfach anzunehmen?
Vielleicht passt die positive Einschätzung eines anderen Menschen nicht zu deiner eigenen.
Vielleicht möchtest du nicht eingebildet wirken.
Vielleicht ist es dir unangenehm, dass die Aufmerksamkeit gerade auf dir liegt.
Oder du findest sofort Gründe, warum das Lob eigentlich nicht zählt.
Was davon auf dich zutrifft, lässt sich nicht allgemein beantworten.
Aber deine erste Reaktion auf ein Kompliment kann interessant sein.
Was denkst du in dem Moment, bevor du das Lob relativierst?
Komplimente annehmen bedeutet nicht, eingebildet zu sein
Vielleicht verbindest du Bescheidenheit damit, die eigenen Leistungen nicht zu sehr hervorzuheben.
Das ist zunächst einmal nichts Schlechtes.
Doch zwischen Bescheidenheit und dem ständigen Kleinreden der eigenen Fähigkeiten liegt ein Unterschied.
Wenn jemand sagt:
„Das hast du richtig gut gemacht.“
musst du nicht antworten:
„Ja, ich weiß, ich bin großartig.“
Vielleicht reicht einfach:
„Danke.“
Damit behauptest du nicht, besser zu sein als andere.
Du erlaubst lediglich, dass die positive Einschätzung eines anderen Menschen einmal stehen bleiben darf.
Ohne Erklärung.
Ohne Relativierung.
Und ohne sofort aufzuzählen, was noch besser hätte sein können.
Warum die eigene kritische Stimme manchmal glaubwürdiger erscheint
Vielleicht ist das eigentlich Merkwürdige an einem Kompliment Folgendes:
Jemand anderes sagt etwas Positives über dich – und du beginnst sofort, Gegenargumente zu sammeln.
Die andere Person sagt:
„Das war eine richtig gute Präsentation.“
Und du denkst:
„Aber an einer Stelle habe ich mich versprochen.“
Jemand sagt:
„Das steht dir richtig gut.“
Und du denkst:
„Wenn die Person mich von der anderen Seite sehen würde …“
Jemand sagt:
„Du kannst das wirklich gut.“
Und du denkst:
„Andere können es viel besser.“
Dann könnte eine interessante Frage sein:
Warum vertraust du deiner eigenen kritischen Einschätzung mehr als der positiven Wahrnehmung eines anderen Menschen?
Wenn du dich generell häufig selbst infrage stellst, könnte auch mein Artikel „Warum zweifle ich ständig an mir selbst?“ interessant für dich sein.
Wenn du das Lob sofort kleiner machst
Vielleicht bekommst du durchaus Anerkennung.
Du lässt sie nur kaum stehen.
„Das war Teamarbeit.“
„Ich hatte einfach Glück.“
„Das war doch selbstverständlich.“
„Eigentlich hätte ich noch viel mehr machen müssen.“
Natürlich kann all das stimmen.
Vielleicht war es tatsächlich Teamarbeit.
Vielleicht hattest du Unterstützung.
Vielleicht gehörte die Aufgabe zu deinem Beruf.
Aber nichts davon bedeutet automatisch, dass dein eigener Anteil deshalb keine Anerkennung verdient.
Andere Menschen können etwas beigetragen haben – und du trotzdem auch.
Vielleicht bemerkst du bei dir ein ähnliches Muster auch außerhalb von Komplimenten.
Du spielst Erfolge herunter.
Du relativierst deine Fähigkeiten.
Oder du sprichst über das, was dir gelungen ist, als wäre es kaum der Rede wert.
Dann könnte auch mein Artikel „Warum mache ich mich selbst immer klein?“ zu deinem Thema passen.
Der Vergleich mit anderen nimmt dem Kompliment schnell seinen Wert
Vielleicht kannst du ein Lob auch deshalb schwer annehmen, weil dir sofort jemand einfällt, der es deiner Meinung nach besser kann.
Jemand ist erfolgreicher.
Erfahrener.
Selbstbewusster.
Talentierter.
Und plötzlich erscheint deine eigene Leistung weniger bedeutsam.
Doch ein Kompliment ist kein Wettbewerb.
Wenn jemand sagt:
„Das kannst du richtig gut“,
bedeutet das nicht:
„Du kannst es besser als jeder andere Mensch.“
Vielleicht darf beides gleichzeitig stimmen:
Ein anderer Mensch kann etwas besser können – und du kannst es trotzdem gut können.
Wenn du dich häufig auf diese Weise vergleichst, findest du in meinem Artikel „Warum vergleiche ich mich ständig mit anderen?“ weitere Gedanken dazu.
Wenn „gut“ für dich erst sehr spät beginnt
Manchmal liegt die Schwierigkeit vielleicht auch im eigenen Maßstab.
Du bekommst Anerkennung für etwas, siehst selbst aber hauptsächlich, was noch besser hätte sein können.
Dann kann ein Kompliment fast irritieren:
„Wieso findet die Person das gut? Ich sehe doch genau, was daran noch nicht perfekt ist.“
Wenn dir dieser Gedanke bekannt vorkommt, können auch Perfektionismus und innerer Druck eine Rolle spielen.
Denn wenn dein eigener Maßstab sehr hoch liegt, kann etwas objektiv gut gelungen sein – und sich für dich trotzdem noch nicht gut genug anfühlen.
Du musst einem Kompliment nicht widersprechen
Vielleicht kannst du beim nächsten Kompliment einmal etwas ausprobieren.
Nicht als Übung, die du perfekt machen musst.
Sondern einfach aus Neugier.
Jemand sagt etwas Positives über dich.
Und bevor du erklärst, relativierst oder widersprichst, sagst du nur:
„Danke.“
Und dann lässt du den Satz einen Moment stehen.
Vielleicht fühlt sich das ganz normal an.
Vielleicht ungewohnt.
Vielleicht möchtest du sofort noch etwas hinterherschieben.
Genau das kann interessant sein.
Was passiert in diesem Moment?
Was möchtest du am liebsten sagen?
Und warum fällt es dir schwer, das Positive einfach einmal stehen zu lassen?
Anerkennung annehmen, ohne dich größer oder kleiner zu machen
Im Coaching geht es nicht darum, dir einzureden, wie großartig du bist.
Interessanter sind für mich Fragen wie:
Was passiert in dir, wenn jemand dich lobt?
Warum möchtest du das Kompliment sofort relativieren?
Was wäre unangenehm daran, einer positiven Einschätzung einfach zuzustimmen?
Welche Ansprüche stellst du an dich?
Und wie würdest du deine Fähigkeiten einschätzen, wenn du weder übertreiben noch sie kleinreden müsstest?
Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen.
Dabei geht es nicht darum, in der Hypnose eine bestimmte Ursache dafür zu finden, warum dir Anerkennung schwerfällt, oder dir ein besonders positives Bild von dir einzureden.
Vielmehr können wir darauf schauen, was du mit Lob, Anerkennung, Leistung und Sichtbarkeit verbindest, welche Erfahrungen oder Überzeugungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen und was du für dich daraus erkennen kannst.
Denn ein Kompliment anzunehmen bedeutet nicht, dich für besser zu halten, als du bist.
Vielleicht bedeutet es einfach, nicht sofort widersprechen zu müssen, wenn jemand etwas Gutes in dir oder deiner Leistung sieht.
Möchtest du darüber sprechen?
Vielleicht hast du dich in diesem Artikel wiedergefunden. Wenn es dir schwerfällt, Lob anzunehmen oder deinen eigenen Wert zu erkennen, musst du diesen Weg nicht allein gehen.
In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welche Unterstützung für dich passend sein könnte.









