
Warum muss ich immer alles perfekt machen?
Wenn der eigene Anspruch zur Belastung wird
Du gibst dir große Mühe, erledigst deine Aufgaben gewissenhaft und hast am Ende trotzdem das Gefühl:
Es hätte noch besser sein können.
Während andere längst zufrieden sind, entdeckst du noch Kleinigkeiten, die verbessert werden könnten.
Vielleicht fällt es dir auch schwer, Lob einfach anzunehmen. Jemand sagt dir, dass du etwas richtig gut gemacht hast – und dein Blick wandert sofort zu dem einen Punkt, der aus deiner Sicht nicht optimal war.
Nach außen wirkst du vielleicht organisiert, zuverlässig und engagiert.
Innerlich begleitet dich dagegen immer wieder der Gedanke:
„Das reicht noch nicht.“
„Da geht noch mehr.“
„Das hätte besser sein müssen.“
Hohe Ansprüche können eine Stärke sein. Sie können dazu beitragen, dass du sorgfältig arbeitest, Verantwortung übernimmst und gute Ergebnisse erzielst.
Schwierig wird es, wenn du kaum noch einen Punkt findest, an dem du selbst zufrieden sein kannst.
Wenn „gut“ für dich nicht gut genug ist
Vielleicht ist genau das eine der entscheidenden Fragen bei Perfektionismus und innerem Druck:
Wann ist etwas für dich eigentlich gut genug?
Denn theoretisch lässt sich fast alles noch verbessern.
Eine Präsentation könnte noch einmal überarbeitet werden.
Eine E-Mail könnte noch besser formuliert sein.
Auf ein Gespräch könntest du dich noch gründlicher vorbereiten.
Und bei einem Projekt gibt es fast immer irgendeine Kleinigkeit, die noch optimiert werden könnte.
Wenn dein eigener Maßstab jedoch immer bei „noch besser“ liegt, gibt es kaum einen natürlichen Punkt, an dem du sagen kannst:
Jetzt ist es gut.
Jetzt ist es fertig.
Jetzt darf ich zufrieden sein.
Genau darum geht es auch in meinem Artikel „Wann ist gut eigentlich gut genug?“.
Was bedeutet es für dich, wenn etwas nicht perfekt ist?
Vielleicht lohnt es sich, Perfektionismus einmal nicht nur als hohen Anspruch zu betrachten.
Interessanter ist die Frage:
Was befürchtest du, wenn etwas einmal nicht so gut gelingt, wie du es dir vorgestellt hast?
Vielleicht möchtest du keine Kritik bekommen.
Vielleicht möchtest du andere nicht enttäuschen.
Vielleicht möchtest du kompetent wirken.
Vielleicht fällt es dir schwer, einen Fehler stehen zu lassen.
Oder du hast das Gefühl, dich besonders anstrengen zu müssen, um mit deiner eigenen Leistung zufrieden sein zu können.
Was davon auf dich zutrifft, lässt sich nicht allgemein beantworten.
Aber genau darin kann ein wichtiger Unterschied liegen:
Möchtest du etwas wirklich gut machen?
Oder hast du das Gefühl, dass es unbedingt gut werden muss?
Perfektionismus zeigt sich nicht nur im Ergebnis
Vielleicht denkst du bei Perfektionismus zunächst an jemanden, der alles besonders ordentlich oder fehlerfrei machen möchte.
Doch hoher innerer Anspruch kann sich ganz unterschiedlich zeigen.
Vielleicht überarbeitest du Dinge immer wieder.
Vielleicht brauchst du sehr lange für Entscheidungen.
Vielleicht bereitest du dich stärker vor, als es eigentlich notwendig wäre.
Vielleicht kontrollierst du lieber noch einmal selbst.
Oder du fängst manche Dinge gar nicht erst an, weil du nicht weißt, ob du sie so gut hinbekommst, wie du es von dir erwartest.
Dann geht es nicht mehr nur darum, etwas besonders gut zu machen.
Der eigene Anspruch beginnt zu bestimmen, was du dir überhaupt zutraust.
Wenn du dich darin wiedererkennst, könnte auch mein Artikel „Warum fällt es mir so schwer, Kontrolle abzugeben?“ interessant für dich sein.
Wenn Fehler plötzlich besonders viel bedeuten
Vielleicht fällt es dir vor allem deshalb schwer, deinen Anspruch zu lockern, weil du Fehler unbedingt vermeiden möchtest.
Dann ist ein Fehler nicht einfach nur etwas, das passiert ist.
Vielleicht denkst du sofort:
„Das hätte mir nicht passieren dürfen.“
„Was denken die anderen jetzt?“
„Ich hätte besser aufpassen müssen.“
„Vielleicht bin ich doch nicht so gut, wie alle denken.“
Dann bekommt ein einzelner Fehler plötzlich eine viel größere Bedeutung.
In meinem Artikel „Warum habe ich solche Angst, Fehler zu machen?“ geht es genauer um diesen Zusammenhang.
Denn du kannst hohe Ansprüche an deine Arbeit haben und trotzdem akzeptieren, dass nicht alles immer perfekt gelingt.
Ein Fehler macht nicht automatisch deine gesamte Leistung schlecht.
Und er muss auch nicht darüber entscheiden, wie du dich selbst einschätzt.
Perfektionismus kann dich auch davon abhalten, Dinge überhaupt zu versuchen
Manchmal führt der hohe Anspruch noch zu etwas anderem.
Du wartest.
Bis du besser vorbereitet bist.
Bis du mehr weißt.
Bis die Idee ausgereift ist.
Bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Bis du dich sicher genug fühlst.
Was wie sorgfältige Vorbereitung aussieht, kann irgendwann zu einer inneren Blockade werden.
Du möchtest eigentlich etwas tun – aber dein eigener Anspruch hält dich davon ab.
Vielleicht sprichst du eine Idee nicht aus, weil sie noch nicht vollkommen durchdacht ist.
Vielleicht bewirbst du dich nicht, weil du nicht jede Anforderung erfüllst.
Oder du beginnst ein Projekt nicht, weil du noch nicht weißt, ob das Ergebnis deinen eigenen Vorstellungen entsprechen wird.
Dann schützt Perfektionismus nicht mehr die Qualität deiner Arbeit.
Er begrenzt deine Möglichkeiten.
Du musst deinen Anspruch nicht aufgeben
Vielleicht macht dir genau das Sorgen.
Wenn ich nicht mehr perfektionistisch bin, werde ich nachlässig.
Wenn ich meine Ansprüche lockere, sinkt die Qualität.
Wenn ich mit „gut genug“ zufrieden bin, entwickle ich mich nicht mehr weiter.
Doch zwischen Perfektion und Gleichgültigkeit liegt sehr viel Raum.
Du darfst sorgfältig sein.
Du darfst hohe Ansprüche haben.
Du darfst gute Arbeit machen wollen.
Die Frage ist nur:
Wie viel Raum möchtest du diesem Anspruch in deinem Leben geben?
Bestimmt er, wann du zufrieden sein darfst?
Entscheidet er, wann etwas fertig ist?
Hält er dich davon ab, Dinge auszuprobieren?
Oder kannst du selbst entscheiden, wann dein hoher Anspruch sinnvoll ist – und wann du ihn nicht brauchst?
Vielleicht geht es nicht darum, weniger gut zu sein
Im Coaching können wir gemeinsam genauer hinschauen, was dein hoher Anspruch für dich bedeutet.
Was glaubst du leisten zu müssen?
Wann ist etwas für dich gut genug?
Was befürchtest du, wenn dir ein Fehler passiert?
Welche Erwartungen stellst du an dich?
Und was würde sich verändern, wenn du nicht mehr alles perfekt machen müsstest?
Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen.
Dabei geht es nicht darum, deinen Perfektionismus einfach „wegzumachen“ oder in der Hypnose eine bestimmte Ursache dafür zu finden.
Vielmehr können wir darauf schauen, was du mit Leistung, Fehlern und hohen Ansprüchen verbindest, welche Erfahrungen oder Überzeugungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen und was du für dich daraus erkennen kannst.
Denn vielleicht musst du deinen Anspruch gar nicht verlieren.
Vielleicht geht es vielmehr darum, wieder selbst entscheiden zu können, wann er dir hilft – und wann er dich einengt.
Du darfst etwas richtig gut machen wollen. Aber nicht alles muss perfekt sein, damit es gut ist.
Wie würde sich dein Leben verändern, wenn du nicht mehr perfekt sein müsstest?
Vielleicht hast du dich in diesem Artikel wiedergefunden.
Wenn du das Gefühl hast, ständig unter Druck zu stehen oder nie wirklich zufrieden mit dir zu sein, begleite ich dich gerne dabei, die Ursachen dahinter zu verstehen und neue Wege zu entwickeln.
In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welche Unterstützung für dich passend sein könnte.









