
Warum habe ich plötzlich einen Blackout, obwohl ich alles wusste?
Vielleicht kennst du diesen Moment. Du hast dich vorbereitet, den Stoff gelernt und konntest die Fragen zu Hause problemlos beantworten. Vielleicht hast du Freunden oder Kollegen sogar erklärt, wie etwas funktioniert. Du weißt also eigentlich: Ich kann das.
Dann sitzt du in der Prüfung, stehst vor einer Gruppe oder wirst in einem wichtigen Gespräch etwas gefragt.
Und plötzlich ist da – nichts.
Dein Kopf fühlt sich leer an. Du suchst nach einer Antwort, von der du genau weißt, dass du sie kennst. Vielleicht fällt dir sogar ein, auf welcher Seite du sie gelernt hast oder wie deine Notizen aussahen. Aber die Information selbst scheint verschwunden zu sein.
Je verzweifelter du versuchst, dich zu erinnern, desto schwieriger wird es.
Wie war das noch mal?
Warum fällt mir das jetzt nicht ein?
Ich wusste es doch eben noch.
Und irgendwann kommt vielleicht noch ein Gedanke dazu:
Jetzt merken alle, dass ich keine Ahnung habe.
Genau dieser Moment kann unglaublich belastend sein. Vor allem deshalb, weil er so schwer nachvollziehbar erscheint. Das Wissen war schließlich da. Manchmal kommt die Antwort sogar wenige Minuten nach der Situation plötzlich zurück. Dann sitzt du vielleicht im Auto oder gehst nach Hause und auf einmal weißt du wieder alles.
Ein solcher Moment muss also nicht bedeuten, dass du etwas nicht gelernt oder nicht verstanden hast. Vielleicht merkst du vielmehr, dass es dir gerade unter besonderem Druck schwerfällt, auf das zuzugreifen, was du eigentlich weißt.
Eine gewisse Anspannung vor wichtigen Situationen ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Du merkst vielleicht, dass dein Herz schneller schlägt, du unruhiger wirst oder deine Aufmerksamkeit stärker auf die Situation gerichtet ist.
Schwierig kann es werden, wenn du beginnst, dich selbst dabei immer genauer zu beobachten:
Mein Herz schlägt so schnell.
Ich werde nervös.
Warum kann ich gerade nicht denken?
Was, wenn ich jetzt einen Blackout bekomme?
Je stärker du bemerkst, dass dir eine Antwort nicht sofort einfällt, desto größer kann der Druck werden.
Aus „Ich muss kurz überlegen“ wird dann sehr schnell:
„Ich muss es JETZT wissen.“
Und damit beschäftigt dich plötzlich nicht mehr nur die eigentliche Frage. Gleichzeitig versuchst du, unbedingt wieder auf das Wissen zuzugreifen, deine Nervosität zu kontrollieren und dir möglichst nicht anmerken zu lassen, dass du gerade ins Stocken geraten bist.
Besonders schwierig kann es werden, wenn du einen solchen Moment schon einmal erlebt hast.
Vielleicht hast du während einer Prüfung tatsächlich einmal den Faden verloren. Bei der nächsten Prüfung erinnerst du dich schon vorher daran und fragst dich:
Was, wenn das wieder passiert?
Dann beobachtest du dich möglicherweise besonders genau.
Bin ich schon nervös?
Kann ich mich noch konzentrieren?
Kann ich mich an alles erinnern?
Und wenn dir dann eine Kleinigkeit nicht sofort einfällt, entsteht vielleicht sofort der Gedanke:
Da ist es wieder.
Die Sorge vor einem erneuten Blackout kann damit selbst zusätzlichen Druck erzeugen.
Deshalb hängt dieses Thema auch mit Prüfungsangst zusammen. Denn manchmal ist es nicht nur die Prüfung selbst, die uns beschäftigt, sondern auch die Bedeutung, die wir einem möglichen Fehler, einer Wissenslücke oder der Bewertung durch andere geben.
Ein Blackout kann aber auch außerhalb klassischer Prüfungen auftreten.
Vielleicht möchtest du bei einer Präsentation einen Punkt erklären und plötzlich ist der nächste Satz weg. Du stehst vor anderen Menschen und merkst, dass alle auf dich warten.
Oder du sitzt in einem Vorstellungsgespräch und bekommst eine Frage, auf die du dich sogar vorbereitet hast. Trotzdem findest du plötzlich keine vernünftige Antwort.
Vielleicht passiert es in einem wichtigen Meeting. Du wolltest etwas sagen, hast dir vorher genau überlegt, wie du es formulieren möchtest – und sobald alle zu dir schauen, ist dein Gedanke verschwunden.
Das Gemeinsame an diesen Situationen ist häufig nicht das fehlende Wissen.
Es ist der Moment, in dem plötzlich sehr viel von dieser einen Situation abzuhängen scheint.
Jemand schaut zu. Jemand wartet auf eine Antwort. Du möchtest etwas richtig machen. Vielleicht möchtest du kompetent wirken und auf keinen Fall zeigen, dass du gerade unsicher bist.
Wenn du ohnehin hohe Erwartungen an dich selbst stellst, kann dieser Druck besonders groß werden. Vielleicht reicht es dir nicht, eine gute Antwort zu geben. Du möchtest souverän wirken, schnell reagieren und möglichst keine Unsicherheit zeigen.
Dann läuft neben der eigentlichen Aufgabe möglicherweise noch ein zweiter Film in deinem Kopf:
Wie wirke ich gerade?
Merken die anderen, dass ich nervös bin?
Was denken sie über mich?
Wirke ich jetzt inkompetent?
Und plötzlich musst du nicht mehr nur eine Frage beantworten. Du versuchst gleichzeitig, deine Wirkung zu kontrollieren.
Wenn du dieses Gefühl kennst, könnte deshalb auch mein Artikel „Warum habe ich solche Angst zu versagen?“ interessant für dich sein.
Denn manchmal macht uns nicht der Blackout selbst am meisten Angst, sondern die Bedeutung, die wir ihm geben.
Vielleicht denkst du anschließend nicht einfach:
Das war eine unangenehme Situation.
Sondern:
Ich habe mich blamiert.
Ich kann das offenbar doch nicht.
Die anderen halten mich jetzt bestimmt für inkompetent.
Aus einem kurzen Moment wird dadurch schnell eine Bewertung der eigenen Fähigkeiten.
Und genau hier kann sich auch ein Zusammenhang mit Perfektionismus und innerem Druck zeigen. Denn wenn du glaubst, in wichtigen Situationen besonders souverän, schnell oder fehlerfrei sein zu müssen, kann schon ein kurzer Moment des Zögerns eine viel größere Bedeutung bekommen.
Deshalb hilft es auch nicht immer, einfach noch mehr zu lernen.
Natürlich ist gute Vorbereitung wichtig. Wenn Wissen fehlt, muss es zunächst erworben werden. Doch wenn du merkst, dass du den Stoff eigentlich beherrschst und trotzdem gerade in bestimmten Situationen immer wieder ins Stocken gerätst, lohnt es sich, nicht nur auf deine Vorbereitung zu schauen.
Sondern auf die Bedeutung, die diese Situation für dich hat.
Was glaubst du, passiert, wenn du einmal keine Antwort weißt?
Was wäre so schlimm daran, kurz überlegen zu müssen?
Was bedeutet es für dich, wenn andere deine Nervosität bemerken?
Und warum ist es dir vielleicht so wichtig, gerade in diesem Moment unbedingt funktionieren zu müssen?
Manchmal lohnt sich dabei auch ein Blick auf Erfahrungen und Überzeugungen, die du mit Leistung, Fehlern oder der Bewertung durch andere verbindest.
Vielleicht hast du gelernt, dass Fehler möglichst vermieden werden müssen. Vielleicht war Leistung besonders wichtig. Vielleicht gab es Situationen, in denen du dich für eine falsche Antwort geschämt oder vor anderen bloßgestellt gefühlt hast.
Solche Erfahrungen können mitprägen, welche Bedeutung ähnliche Situationen heute für dich haben.
Dann kann hinter einem wiederkehrenden Blackout auch eine innere Blockade stehen, bei der es sich lohnt, genauer hinzuschauen: Was passiert eigentlich in dir, sobald du das Gefühl hast, jetzt unbedingt funktionieren zu müssen?
Im Coaching können wir gemeinsam anschauen, welche Gedanken, Erwartungen und Erfahrungen in solchen Situationen eine Rolle spielen. Was setzt dich besonders unter Druck? Welche Bedeutung hat es für dich, keine Antwort zu wissen? Und was glaubst du, würde es über dich aussagen, wenn du einmal nicht sofort reagieren kannst?
Auch auflösende Hypnose kann im Rahmen meiner Arbeit einen Zugang dazu bieten, Gedanken, Gefühle, innere Bilder und persönliche Erfahrungen genauer wahrzunehmen.
Dabei geht es nicht darum, einen Blackout einfach „wegzumachen“ oder dir zu versprechen, dass er nie wieder auftreten wird. Vielmehr können wir gemeinsam darauf schauen, was solche Situationen für dich so bedeutsam macht und welche Überzeugungen oder Erfahrungen möglicherweise damit verbunden sind.
Vielleicht liegt nämlich viel mehr Freiheit in einem anderen Gedanken:
Selbst wenn mir einmal nichts einfällt, kann ich mit diesem Moment umgehen.
Du kannst kurz innehalten.
Du kannst nachdenken.
Du kannst um einen Moment bitten.
Du kannst einen Satz neu beginnen.
Und du darfst auch einmal sagen, dass du etwas gerade nicht weißt.
Vielleicht stellst du irgendwann fest, dass du in einem wichtigen Moment nicht beweisen musst, dass du immer sofort auf alles eine Antwort hast.
Du darfst nachdenken. Du darfst nervös sein. Und du darfst trotzdem wissen: Das, was ich gerade nicht abrufen kann, ist nicht automatisch das, was ich nicht kann.
Was wäre, wenn ein kurzer Blackout nichts darüber aussagen würde, wie kompetent du bist?
Wenn du eigentlich weißt, dass du gut vorbereitet bist, aber in Prüfungen, Präsentationen oder anderen wichtigen Situationen trotzdem immer wieder blockierst, können wir gemeinsam anschauen, was hinter dieser Reaktion steckt.
In einem unverbindlichen Erstgespräch lernen wir uns kennen und schauen gemeinsam, welcher Weg für dich passend sein könnte.









